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Tipps für Fahranfänger

Winterreifenpflicht in Deutschland: Wann welche Reifen nötig sind

··5 Min Lesezeit·von Birkan Kati

Wann sind Winterreifen Pflicht? Situative Regel, Alpine-Symbol, Ganzjahresreifen und Profiltiefe verständlich erklärt – mit Bußgeld und Versicherungsfragen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Für Pkw gilt die Pflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen, nicht an einem festen Kalenderdatum.
  • Geeignete Reifen benötigen das Alpine-Symbol; M+S allein genügt für die Winterreifenpflicht nicht.
  • Bußgeld und Versicherungsleistung sind getrennte Fragen; falsche Reifen bedeuten nicht automatisch vollständigen Schutzverlust.
Winterreifenpflicht in Deutschland: Wann welche Reifen nötig sind

Winterreifen sind beim Pkw in Deutschland bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte erforderlich. Alle Räder müssen dann passend bereift sein. Ein bestimmter Monat oder eine Temperaturgrenze löst diese Pflicht nicht allein aus. Prüfe Kennzeichnung und Zustand deshalb vor deiner Fahrt und nicht erst, wenn es unterwegs glatt wird.

Junger Mann mit Autoschlüssel vor einem Auto – Symbolbild

Gibt es eine Winterreifenpflicht?

Ja, sie ist situativ. § 2 Absatz 3a StVO knüpft sie an die genannten Straßenverhältnisse. Für den gewöhnlichen Pkw gilt sie an allen Rädern; nur die Antriebsachse auszurüsten reicht nicht.

Steht dein Auto bei winterlichen Bedingungen geparkt, entsteht daraus allein keine Pflicht, es sofort umzurüsten. Du darfst es aber ohne die nötige Bereifung nicht unter diesen Verhältnissen fahren. Die hier erläuterte Pkw-Regel lässt sich nicht unverändert auf jede Fahrzeugart übertragen; das Gesetz enthält etwa Ausnahmen für einspurige Kraftfahrzeuge.

Welche Reifen erfüllen die Pflicht?

Für den Pkw sind Reifen mit dem Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke, erforderlich. Das regelt § 36 Absatz 4 StVZO. Die alleinige Aufschrift M+S genügt dafür nicht mehr.

Kennzeichnung oder ZustandWas du prüfst
Winterreifen mit Alpine-SymbolRichtige Größe, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitsvorgaben und Zustand
Ganzjahresreifen mit Alpine-SymbolKönnen die Kennzeichnungsvoraussetzung erfüllen; Eignung für Auto und Nutzung zusätzlich prüfen
Nur M+S, ohne Alpine-SymbolReicht für die geltende Pkw-Winterreifenpflicht nicht
Sommerreifen bei den genannten WinterverhältnissenErfüllen die situative Pflicht nicht

Wie viel Profil ist vorgeschrieben?

Für Pkw verlangt § 36 Absatz 3 StVZO mindestens 1,6 mm im Hauptprofil am gesamten Umfang. Das ist die gesetzliche Mindestgrenze, keine Zusage einer ausreichenden Reserve für jede winterliche Situation. Kontrolliere außerdem ungleichmäßigen Verschleiß, Risse oder andere Beschädigungen. Lass unklare Befunde fachlich prüfen.

Ein Alpine-Symbol ersetzt weder die passende Reifengröße noch einen ordentlichen Zustand. Bei Reifen mit einer geringeren zulässigen Höchstgeschwindigkeit als der Fahrzeughöchstgeschwindigkeit sind die gesetzlichen Kennzeichnungs- und Geschwindigkeitsanforderungen zusätzlich zu beachten.

Bußgeld bei Verstoß

Der Bußgeldkatalog nennt für Fahren bei den erfassten Winterverhältnissen ohne passende Bereifung 60 €, bei Behinderung 80 € als Regelsätze. Auch der Halter kann verantwortlich sein: Für das Anordnen oder Zulassen einer solchen Fahrt nennt der Katalog 75 €. Gebühren und weitere Folgen des konkreten Falls können hinzukommen. Grundlage sind Nummern 5a, 5a.1 und 213a der Anlage zur Bußgeldkatalog-Verordnung.

Das ist keine Erlaubnis, das Risiko gegen einen festen Betrag abzuwägen. Behinderung, Gefährdung, Unfallfolgen und gegebenenfalls weitere Verstöße werden anhand des tatsächlichen Geschehens beurteilt.

Faustregel „O bis O“

„Oktober bis Ostern“ ist eine Merkhilfe für die Planung des Reifenwechsels. Sie ist kein gesetzlicher Zeitraum. Auch außerhalb dieser Monate können die genannten Winterverhältnisse vorliegen; umgekehrt entsteht die situative Pflicht nicht allein durch ein Datum im Kalender.

Plane nach regionalen Bedingungen, deinen Fahrzeiten und geplanten Strecken. Bei Fahrten ins Ausland prüfst du die dortigen Anforderungen gesondert, einschließlich möglicher Mitführ- oder Schneekettenregeln. Die deutsche Regel ist keine europaweit einheitliche Vorgabe.

Warum das für Fahranfänger wichtig ist

Prüfe bei deinem ersten Gebrauchtwagen, welche Reifensätze du tatsächlich erhältst. „Winterreifen dabei“ im Inserat sagt noch nichts über Alpine-Kennzeichnung, Größe, Restprofil oder Zustand. Trage absehbare Reifenkosten in dein Monatsbudget fürs Auto ein.

Was passiert mit der Versicherung nach einem Unfall?

Ein Verstoß gegen die Reifenpflicht und eine Versicherungsleistung sind getrennt zu prüfen. Entscheidend sind Schadenhergang, Haftung und Vertragsbedingungen. Aus falscher Bereifung folgt nicht pauschal, dass die Versicherung überhaupt nichts mehr zahlt.

Für eigene Fahrzeugschäden kommt es auf den vereinbarten Kaskoschutz an. Die DEVK verzichtet nach A.3.16 der zugrunde gelegten AKB grundsätzlich auf den Einwand grober Fahrlässigkeit, mit ausdrücklich geregelten Ausnahmen. Daraus folgt ebenso wenig eine Zusage, jeden Schaden unabhängig von Voraussetzungen zu ersetzen. Melde den tatsächlichen Hergang und lass den konkreten Fall prüfen. Die Unterschiede erklärt Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko.

Kurzer Check vor der Fahrt

Prüfe Wetter und Strecke, alle vier Reifen sowie Sicht und Beleuchtung. Entferne Schnee und Eis so, dass du freie Sicht hast und andere nicht gefährdest. Fahre mit angepasster Geschwindigkeit und Abstand. Wenn die notwendige Bereifung fehlt, nutze unter den betroffenen Verhältnissen eine andere Transportmöglichkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann sind Winterreifen Pflicht?

Beim Pkw in Deutschland bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte. Die Pflicht richtet sich nach den Straßenverhältnissen, nicht nach einem festen Kalenderdatum.

Welche Reifen gelten als Winterreifen?

Für die Pflicht müssen die Reifen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und das Alpine-Symbol tragen. M+S allein reicht nicht. Zusätzlich müssen Größe, technische Eignung und Zustand zum Fahrzeug passen.

Was kostet das Fahren ohne Winterreifen?

Der Bußgeldkatalog nennt bei den erfassten Winterverhältnissen 60 Euro als Regelsatz, bei Behinderung 80 Euro. Für das Anordnen oder Zulassen durch den Halter sind 75 Euro vorgesehen. Gebühren und weitere Folgen hängen vom konkreten Fall ab.

Reichen Ganzjahresreifen?

Ganzjahresreifen können die Winterreifenpflicht erfüllen, wenn sie das Alpine-Symbol tragen und die weiteren Anforderungen erfüllen. Ob sie für deine Strecken und Nutzung passend sind, ist zusätzlich zu prüfen.

Sind Winterreifen ab Oktober vorgeschrieben?

Nicht allein wegen des Monats. Oktober bis Ostern ist eine Merkhilfe für die Planung. Rechtlich zählen die genannten winterlichen Straßenverhältnisse.

Reichen Winterreifen auf der Antriebsachse?

Beim gewöhnlichen Pkw müssen bei den erfassten Winterverhältnissen alle Räder entsprechend bereift sein. Nur zwei passende Reifen auf der Antriebsachse erfüllen diese Vorgabe nicht.

Fazit

Kontrolliere Alpine-Symbol, Eignung und Zustand rechtzeitig. Plane den Wechsel anhand deiner Nutzung und halte die gesetzlichen Straßenverhältnisse im Blick. Eine Reifenkontrolle gehört auch in die Gebrauchtwagen-Checkliste.

Quellen und Stand

Rechtsgrundlagen: oben verlinkte StVO, StVZO und BKatV. DEVK-Aussage: AKB vom 01.10.2026, A.3.16. Stand: 01.10.2026.

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